Gedankenexperiment anstellen

Kurzbeschreibung

Das Gedankenexperiment ist eine typisch philosophische Technik und dient dazu eine Hypothese auf ihre Haltbarkeit hin zu prüfen, indem man sich eine bestimmte Situation oder ein Ereignis nur geistig ausmalt.

Funktionsweise und Leistung

Der wissenschaftliche Erkenntnis sieht vor, dass eine Hypothese überprüft werden muss. Empirische Hypothesen müssen durch experimentelle Erfahrungsbeobachtungen überprüft werden (> Verifikation und Falsifikation). Es gibt jedoch auch Hypothesen, die durch Erfahrungsexperimente nicht oder kaum überprüft werden können (z.B. Aussagen wie „Die neuste Generation der Smartphones weist Bewusstsein auf.“ oder „Kernkraft ist sicher.“) In diesem Fall kann man auf das Gedankenexperiment zurückgreifen. Es wird zwar in der Regel keine so entscheidenden Schlussfolgerungen wie eine empirische Falsifikation ermöglichen, jedoch kann ein Gedankenexperiment Schwachstellen und bisher Unberücksichtigtes in einer Hypothese deutlich machen. Das Gedankenexperiment besteht darin, eine Situation oder ein Ereignis so zu konstruieren, dass es grundsätzlich möglich sein könnte und dass es neue Einsichten über die Hypothese bzw. die Frage liefert, auf die die Hypothese antwortet.

Vorgehen

Von der Anlage her kann ein Gedankenexperiment offen konzipiert werden, damit grundsätzlich ein besseres Verständnis eines Sachverhalts erzielt wird, oder es kann der Absicht dienen, etwas zu zeigen oder in einem schwachen Sinne zu beweisen. Im letzteren Fall kann es sich sowohl um die Verifikation als auch um die Falsifikation einer Hypothese handeln.

Die sprachliche Form des Gedankenexperiments lautet daher „Was wäre (Y), wenn X der Fall wäre?“ oder „Angenommen, X wäre der Fall, was wäre dann (Y)?“

Das offen konzipierte Gedankenexperiment gleicht dem spielerischen Versuch, dem Ausprobieren. Dabei geht es darum, unterschiedliche Bedingungen X hypothetisch einzusetzen und sich zu überlegen, welche möglichen Konsequenzen Y dies nach sich ziehen könnte. Indem man eine Reihe leichter Modifikationen an X vornimmt („Angenommen, Smartphones hätten Bewusstsein…“, „Angenommen, Smartphones könnten Schmerz und Freude empfinden…“, „Angenommen, Smartphones hätten ein Erinerungsvermögen…“) und dadurch die Versuchsanlage jeweils variiert, ergibt sich ein zunehmend vertieftes Verständnis des fraglichen Sachverhalts.

Falls man mit dem Gedankenexperiment etwas Bestimmtes zeigen möchte, übersetzt man den zu beweisenden Sachverhalt („AKWs sind gefährlich.“) in die Folge Y der hypothetischen Bedingung X. Wenn ich zeigen möchte, dass die Risiken der Kernkraftwerk in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen stehen, setze ich diese Risiken als Folge Y ein (Z.B. „Ein Super-GAU in Mühleberg würde den Lebensraum von über einer Million Menschen auf lange Zeit zerstören und die Gesundheit Hunderttausender direkt schädigen.“). Davon ausgehend konstruiere ich mögliche Szenario mit den Bedingungen X, unter denen das Eintreten von Y plausibel erscheint („Ein gezielt auf das Kraftwerk stürzendes Flugzeug würde die Schutzummantelung zerstören und unkontrollierte nukleare Prozesse in Gang setzen, die den Super-GAU.“). Damit habe ich den Nachweis erbracht.

Konkretes Beispiel

  • Platon: Der „Ring des Gyges“ ist in der Lage seineN TrägerIn unsichtbar zu machen. Damit lässt sich die These überprüfen, ob Menschen auch moralisch wären, wenn sie nicht fürchten müssten, bei ihrem Tun beobachtet und zu einem späteren Zeitpunkt zur Rechenschaft gezogen zu werden.
  • Rawls: Der „Schleier des Nichtwissens“ ist ein Gedankenexperiment, das dem Zweck dient die beste mögliche (oder zumindest die am wenigsten schlechte) Staatsform zu konzipieren, indem es mich zwingt, davon auszugehen, dass ich noch nicht weiss, welche Position ich in einem hypothetischen Staatswesen tatsächlich haben würde.

Prominente TheoretikerInnen

Probleme

Gedankenexperimente können fehlerhaft konstruiert sein, z.B. indem sie auf falschen Prämissen aufbauen.

Verknüpft mit

  • Überprüfen
  • Argumentieren
  • Verifizieren / Falsifizieren

 

Übersicht über die Techniken

Vom Einfachen zum Komplexen

  1. Freies Assoziieren (Brainstorming)
  2. Mind Map
  3. Relevantes Auswählen
  4. Unterscheiden und Sortieren
  5. Relevantes Auswählen
  6. Definieren
  7. Grafisch Visualisieren
  8. Gestalt Finden
  9. Perspektive bzw. Standort Wechseln
  10. Objektivieren
  11. Zusammenfassen
  12. Paraphrasieren
  13. Beispiel Geben
  14. Metapher Bilden
  15. Narrativ Entwickeln
  16. Implizites explizit Machen
  17. Dogmen und Prämissen hinterfragen
  18. Ordnung Herstellen
  19. Logisches Schliessen und Beweisen
  20. Wissenschaftliches Erkennen
    1. Recherchieren
    2. Frage Stellen
    3. Hypothese Aufstellen
    4. Methode Auswählen
    5. Überprüfen (Verifizieren/Falisfizieren)
    6. Gedankenexperiment Anstellen
  21. Von Erfahrung zur Theorie und umgekehrt
  22. Top-down vs bottom-up Bewegen
  23. Hermeneutisches Verstehen

 

Weiterlesen

Narrativ entwickeln

Kurzbeschreibung

Ein Narrativ ist eine kurze Erzählung, die Sinn und Orientierung stiftet.

Funktionsweise und Leistung

Es handelt sich dabei um eine rhetorische Technik. Das Narrativ stiftet Sinn, Rechtfertigung und Orientierung, indem es zwischen verschiedenen Ereignissen einen sachlichen und logischen Zusammenhang herstellt, der seinerseits mit Zweckhaftigkeit ausgestattet ist (> Teleologie). Häufig ist ein Narrativ emotional aufgeladen und hat daher eine höhere Überzeugungs- und Motivationskraft als eine rein rational-empirische Theorie. Daher wird das Narrativ auch gerne in Politik und Werbung eingesetzt.

Vorgehen

Ein Narrativ stellt immer eine chronologische Ordnung zwischen verschiedenen relevanten Ereignissen her, die untereinander in kausalen Beziehungen stehen.

Das Ziel des Narrativs besteht darin, die jetzige Situation verständlich zu machen und eine Handlungsorientierung an die Hand zu geben. Das heisst, das Narrativ muss von seinem Ende, dem Ziel, her konstruiert werden.

Ausgangspunkt bildet somit das Ziel des Narrativs. Was will ich damit bei meinen RezipientInnen errreichen, welche Orientierung will ich ihnen geben? Davon ausgehend werden jene Ereignisse ausgewählt, die sowohl relevant als auch

Konkretes Beispiel

  • Wichtige Narrative sind die so genannten „grossen Erzählungen“: Dazu gehören sowohl religiöse Geschichten (Jesus‘ Menschwerdung Gottes) als auch politische Geschichtsphilosophien (Marxismus, Liberalismus etc.)
  • Schöpfungsmythen dienen der Beantwortung der Frage nach der Entstehung der Welt und des Orts der Menschen in ihr.
  • Platons Höhlengleichnis erläutert, warum die Menschen sich in einem Zustand der Verblendung befinden und nur unter Widerständen daraus zu befreien sind.
  • Donald Trumps Narrativ vom Niedergang der ehemals grossartigen USA (als Folge demokratischer Herrschaft, politischer Korrektheit, ökonomischen Ausverkaufs und unkontrollierter Immigration).
  • Ein klassisches Narrativ autoritärer Regimes: Die Opposition wird aus dem Ausland gesteuert und alle Missstände gehen auf Sabotageakte der Opposition zurück.
  • Narrative kommen alltäglich vor, selbst in so sachlichen Feldern wie der Wissenschaft. Die Geschichtswissenschaft ist fundamental auf das Narrativ angewiesen und es kaum umgehen kann.
  • Die ökonomische Theorie steht vor der Herausforderung zu beantworten, wie der Kapitalismus als jene Wirtschaftsform entstanden ist, in der eine Bevölkerungsgruppe über Kapital und die andere Gruppe nur über ihre Arbeitskraft verfügt. Das Narrativ der liberalen Ökonomie lautet so, dass die Klasse der KapitalistInnen aus den Fleissigen und Sparsamen hervorging, während die Klasse der ArbeiterInnen aus den Faulen und Verschwenderischen hervorging. Durch dieses Narrativ kann die ansonsten ungerechte Kapital- und Machtakkumulation in den Händen von wenigen retrospektiv legitimiert werden. Damit können die historischen Fakten (Privatisierung der Allmende durch den Adel, koloniale Ausbeutung etc.) verschleiert werden.

Prominente TheoretikerInnen

Probleme

Offenkundig ist das Narrativ eine Form des mythischen Denkens und jedes Narrativ transportiert eine Art Ideologie, d.h. es birgt ungeachtet seiner sinnstiftenden Qualitäten die Gefahr, zur Manipulation missbraucht zu werden.

Verknüpft mit

 

Übersicht über die Techniken

Vom Einfachen zum Komplexen

  1. Freies Assoziieren (Brainstorming)
  2. Mind Map
  3. Relevantes Auswählen
  4. Unterscheiden und Sortieren
  5. Relevantes Auswählen
  6. Definieren
  7. Grafisch Visualisieren
  8. Gestalt Finden
  9. Perspektive bzw. Standort Wechseln
  10. Objektivieren
  11. Zusammenfassen
  12. Paraphrasieren
  13. Beispiel Geben
  14. Metapher Bilden
  15. Narrativ Entwickeln
  16. Implizites explizit Machen
  17. Dogmen und Prämissen hinterfragen
  18. Ordnung Herstellen
  19. Logisches Schliessen und Beweisen
  20. Wissenschaftliches Erkennen
    1. Recherchieren
    2. Frage Stellen
    3. Hypothese Aufstellen
    4. Methode Auswählen
    5. Überprüfen (Verifizieren/Falisfizieren)
    6. Gedankenexperiment Anstellen
  21. Von Erfahrung zur Theorie und umgekehrt
  22. Top-down vs bottom-up Bewegen
  23. Hermeneutisches Verstehen

 

 

Weiterlesen