Top-down vs bottom-up Bewegen

Kurzbeschreibung

Wissenschaftliche Erkenntnis bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Theorie und Erfahrung bzw. allgemeinem Begriff und konkreter (Erfahrungs-) Anschauung (Kant) und versucht aufgrund von Erfahrungen möglichst allgemeine theoretische Erkenntnisse zu erlangen.

Funktionsweise und Leistung

Eine (wissenschaftliche) Erkenntnis ist um so nützlicher, je allgemeingültiger sie ist. Eine Erkenntnis über einen einzelnen Apfel bringt weniger als eine über sämtliche Äpfel. Wissenschaftliche Aussagen sollten daher möglichst allgemeine Gesetze darstellen. Diese allgemeinen Gesetze (Hypothesen, Theorien) abstrahieren von den Details, die die anschauliche Erfahrung eines einzelnen Falles (dieses Apfels) aufweist.

Die Rede von top-down und bottom-up basiert auf einer Metapher, die besagt, dass je abstrakter und allgemeiner eine Theorie oder eine Begriff sind, in desto luftigeren Höhen bewegen sie sich (schon die idealen Götter wurden bei den Sternen angesiedelt), und je konkreter und anschaulicher eine Erfahrung, desto näher am Boden (der Realität) befindet sie sich.

Nun ist es so, dass Erkenntnis nur durch das dialektische Zusammenspiel von Theorie und Erfahrung zustande kommen kann. Wissenschaftliche Erkenntnis beansprucht genereller Natur zu sein, d.h. auf der Seite der Theorie, sie beansprucht jedoch Erkenntnis über die Realität zu sein, die nur über Erfahrung zugänglich ist. Das wissenschaftliche Erkennen muss daher sowohl den Weg von  der Erfahrung zur Theorie (bottom-up) wie auch jenen von der Theorie (top-down) beschreiten. Tut es das nicht, läuft es Gefahr unproduktiv zu werden, da Theorien auf Erfahrungsinhalte ebenso angewiesen sind wie sinnliche Erfahrungen auf eine begriffliche Durchdringung. Mit den Worten Kants formuliert: „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“

Nun gibt es Verfahren, wie man sich erkenntnisfördernd zwischen den Ebenen nach oben oder nach unten bewegen kann. Dabei kommen die logischen Schlüsse der Deduktion, Abduktion und der Induktion zum Zuge. Die Deduktion erlaubt den top-down-Schluss von einem allgemeinen Gesetz auf einen Einzelfall (Prämisse 1: „Alle Menschen sind sterblich.“ Prämisse 2: „Sokrates ist ein Mensch.“ Konklusion: „Also ist Sokrates sterblich.“). Schwieriger sieht es bei der Frage aus, wie man von einer oder mehreren Erfahrungen auf ein allgemeines Gesetz (eine Hypothese/Theorie) gelangt. Hier gibt es unterschiedliche Ansichten. Lange Zeit glaubte man, dass man dafür bottom-up einen induktiven Schluss ziehen kann (Prämisse 1: „Diese Bohnen sind aus diesem Sack.“ Prämisse 2: „Diese Bohnen sind weiss.“ Konklusion: „Also sind alle Bohnen in diesem Sack weiss.“). Das Problem ist jedoch, dass es sich dabei nicht um einen logisch zwingenden Schluss handelt. Peirce vertrat daher die Auffassung, dass man zunächst einmal auf die Idee eines möglichen allgemeinen Gesetzes kommen muss und dass dafür so etwas wie ein kreatives Raten nötig ist. Der entsprechende Schluss heisst Abduktion (Prämisse 1 entspricht dem Gesetz: „Alle Bohnen in diesem Sack sind weiss.“ Prämisse 2: „Diese Bohnen sind weiss.“ Konklusion: „Also sind diese Bohnen aus diesem Sack.“)

Popper sieht die Möglichkeit logisch zwingende Schlüsse von der Erfahrung zur Theorie darin, dass man ein Gesetz deduktiv durch eine ihm widersprechende Erfahrung widerlegen kann (Prämisse 2: „Alle Bohnen in diesem Sack sind weiss.“ Prämisse 2 aus der Erfahrung: „Diese Bohne aus dem Sack ist lila.“ Konklusion: „Also sind nicht alle Bohnen in dem Sack weiss.“)

Vorgehen

Zunächst ist zu bestimmen, ob man „oben“ bei der Theorie oder „unten“ bei der Erfahrung beginnt. Das hängt davon ab, ob man schon eine konkrete Fragestellung und eine Hypothese hat oder erst ein allgemeines Erkenntnisinteresse. Sobald ich eine Fragestellung habe, befinde ich mich „oben“ im Bereich allgemeiner Theoriebildung. Wenn ich jedoch erst ein diffuses Erkenntnisinteresse oder ein noch nicht näher definiertes Problem habe, kann es sinnvoll sein, sich zunächst ein wenig mit konkreter Erfahrung, d.h. mit zur Thematik gehörigen Beispielen und Einzelfällen zu beschäftigen, um dadurch abduktiv auf Ideen oder sogar Hypothesen zu kommen.

In der Regel verläuft der Forschungsprozess im engeren Sinne dann top-down. D.h. ich überprüfe meine allgemeine Hypothese, indem ich konkrete Einzelfälle untersuche. Dabei kann es vorkommen, dass ich jedoch mehrfach zwischen Theorie und Erfahrung hin und her wechseln muss, beispielsweise um die angemessene Methode auszuwählen.

Konkretes Beispiel

Das hermeneutische Verstehen ist ein ständiges Hin und Her zwischen den beiden Bewegungen.

Die Platonische Dialektik ist ein Hin und Her des allmählichen Voranschreitens vom konkreten Einzelfall hin zur allgemeinen Idee.

Prominente TheoretikerInnen

  • Platon
  • Karl Popper
  • Charles Sanders Peirce
  • Immanuel Kant
  • David Hume

Probleme

Verknüpft mit

  • Wissenschaftliches Erkennen
  • Hermeneutisches Verstehen
  • Logisches Schliessen und Beweisen
  • Überprüfen

 

Übersicht über die Techniken

Vom Einfachen zum Komplexen

  1. Freies Assoziieren (Brainstorming)
  2. Mind Map
  3. Relevantes Auswählen
  4. Unterscheiden und Sortieren
  5. Relevantes Auswählen
  6. Definieren
  7. Grafisch Visualisieren
  8. Gestalt Finden
  9. Perspektive bzw. Standort Wechseln
  10. Objektivieren
  11. Zusammenfassen
  12. Paraphrasieren
  13. Beispiel Geben
  14. Metapher Bilden
  15. Narrativ Entwickeln
  16. Implizites explizit Machen
  17. Dogmen und Prämissen hinterfragen
  18. Ordnung Herstellen
  19. Logisches Schliessen und Beweisen
  20. Wissenschaftliches Erkennen
    1. Recherchieren
    2. Frage Stellen
    3. Hypothese Aufstellen
    4. Methode Auswählen
    5. Überprüfen (Verifizieren/Falisfizieren)
    6. Gedankenexperiment Anstellen
  21. Von Erfahrung zur Theorie und umgekehrt
  22. Top-down vs bottom-up Bewegen
  23. Hermeneutisches Verstehen

 

Weiterlesen

Paraphrasieren

Kurzbeschreibung

Die Paraphrase ist die inhaltlich getreue Wiedergabe eines Textes mit eigenen Worten, in der Regel ohne diesen zu kürzen.

Funktionsweise und Leistung

Die Paraphrase ist eine Form der Übersetzung innerhalb derselben Sprache. Damit man den Wortlaut eines Textes in die eigene oder eine andere stilistisch gewünschte Sprache übertragen kann, muss man ihn inhaltlich verstanden haben. Das Paraphrasieren kann daher dem Zweck dienen, eigene Verständnisschwierigkeiten aufzudecken, denn wenn man beim Übertragen stecken bleibt, deutet dies eine Verständnisschwierigkeit an. Ebenfalls hilfreich ist das Paraphrasieren bei der Zusammenarbeit verschiedener Personen, da damit eruiert werden kann, ob alle dasselbe verstehen.

Vorgehen

Das Paraphrasieren erfordert ein „close reading“, da man den Text ja nicht zusammenfasst. Man kann daher im Grunde Satz für Satz oder abschnittweise vorgehen. Jedoch empfiehlt es sich den Text als Ganzes schon einmal gelesen zu haben, denn das Verstehen des einzelnen Satzes ergibt sich aus dem wechselseitigen Verständnis des Textganzen.

Konkretes Beispiel

Bei der Lektüre anspruchsvoller theoretischer oder historisch weit zurückliegender Texte kann das Paraphrasieren Aufschluss darüber geben, inwieweit man diese Texte tatsächlich versteht oder nur oberflächlich zu verstehen meint.

Prominente TheoretikerInnen

Probleme

Verknüpft mit

  • Zusammenfassen
  • Interpretieren
  • hermeneutisches Verstehen

 

Übersicht über die Techniken

Vom Einfachen zum Komplexen

  1. Freies Assoziieren (Brainstorming)
  2. Mind Map
  3. Relevantes Auswählen
  4. Unterscheiden und Sortieren
  5. Relevantes Auswählen
  6. Definieren
  7. Grafisch Visualisieren
  8. Gestalt Finden
  9. Perspektive bzw. Standort Wechseln
  10. Objektivieren
  11. Zusammenfassen
  12. Paraphrasieren
  13. Beispiel Geben
  14. Metapher Bilden
  15. Narrativ Entwickeln
  16. Implizites explizit Machen
  17. Dogmen und Prämissen hinterfragen
  18. Ordnung Herstellen
  19. Logisches Schliessen und Beweisen
  20. Wissenschaftliches Erkennen
    1. Recherchieren
    2. Frage Stellen
    3. Hypothese Aufstellen
    4. Methode Auswählen
    5. Überprüfen (Verifizieren/Falisfizieren)
    6. Gedankenexperiment Anstellen
  21. Von Erfahrung zur Theorie und umgekehrt
  22. Top-down vs bottom-up Bewegen
  23. Hermeneutisches Verstehen

 

Weiterlesen

Zusammenfassen

Kurzbeschreibung

Eine Zusammenfassung gibt den sachlichen Gehalt eines längeren Textes oder Prozesses in verdichteter und gekürzter Form wieder.

Funktionsweise und Leistung

Wenn man einen längeren Text oder Prozess zusammen fasst, ist man gezwungen Relevantes auszuwählen, Unterschiedliches zu verallgemeinern, etwas mit eigenen Worten zu paraphrasieren und Ausführliches zu verdichten. Zusammenfassungen können daher dazu dienen, jemandem einen Überblick in die Materie zu verschaffen. Eine unterschätzte Leistung von Zusammenfassungen besteht jedoch darin, dass sie einen dazu zwingen, sich ein vertieftes Verständnis eines Zusammenhangs anzueignen, da sie eine Interpretation darstellen. Ausserdem erfordern Zusammenfassungen eine Ordnungsleistung.

Vorgehen

Am Beispiel eines längeren Textes:

In einem ersten Schritt empfiehlt es sich, das Relevante auszuwählen, indem man wichtige Stellen mit farblichen Markierungen kodiert.

Als kann man eine inhaltliche Gliederung in grössere inhaltliche Einheiten vornehmen. In der Regel kann man sich dabei an die bestehenden Gliederungen eines Textes (Kapitel, Absätze etc.) halten. Möglicherweise ergeben sich jedoch leichte Verschiebungen oder Weglassungen.

Je nach Umfang der Gliederungseinheiten bietet es sich dann an, für jede Einheit einen aussagekräftigen Titel zu setzen.

Dann fasst man den Inhalt der einzelnen Gliederungseinheiten nacheinander zusammen. In der Regel wählt man dafür eigene Worte, Stellenweise können jedoch Zitate durchaus angebracht sein. Ob man die Zwischentitel beibehält oder in den Fliesstext integriert, ist Ermessenssache.

Zu guter Letzt liest man den Text als Ganzes durch und überprüft ihn auf inhaltliche Brüche und Lücken, sowie auf angemessene Wiedergabe des Originaltextes. Wo nötig, bessert man nach.

Konkretes Beispiel

  • Zusammenfassungen
  • Sitzungsprotokolle

Prominente TheoretikerInnen

Probleme

Verknüpft mit

  • relevantes Auswählen
  • Paraphrasieren
  • hermeneutisches Verstehen

 

Übersicht über die Techniken

Vom Einfachen zum Komplexen

  1. Freies Assoziieren (Brainstorming)
  2. Mind Map
  3. Relevantes Auswählen
  4. Unterscheiden und Sortieren
  5. Relevantes Auswählen
  6. Definieren
  7. Grafisch Visualisieren
  8. Gestalt Finden
  9. Perspektive bzw. Standort Wechseln
  10. Objektivieren
  11. Zusammenfassen
  12. Paraphrasieren
  13. Beispiel Geben
  14. Metapher Bilden
  15. Narrativ Entwickeln
  16. Implizites explizit Machen
  17. Dogmen und Prämissen hinterfragen
  18. Ordnung Herstellen
  19. Logisches Schliessen und Beweisen
  20. Wissenschaftliches Erkennen
    1. Recherchieren
    2. Frage Stellen
    3. Hypothese Aufstellen
    4. Methode Auswählen
    5. Überprüfen (Verifizieren/Falisfizieren)
    6. Gedankenexperiment Anstellen
  21. Von Erfahrung zur Theorie und umgekehrt
  22. Top-down vs bottom-up Bewegen
  23. Hermeneutisches Verstehen

 

Weiterlesen

Perspektive bzw. Standort wechseln

Kurzbeschreibung

Ein Perspektivenwechsel ermöglicht es, einen Sachverhalt auf jeden Fall anders und im Idealfall objektiv wahrzunehmen.

Funktionsweise und Leistung

Erkennen setzt immer ein distanziertes Wahrnehmungsverhältnis von Subjekt und Objekt voraus. Je nachdem, welches Subjekt man selber ist bzw. wessen Perspektive und Standort ich einnehme, verändert sich auch die Wahrnehmung des Gegenstandes. Das kann von Vorteil sein, wenn man in einem geistigen Prozess feststeckt oder wenn man sich nicht auf eine gemeinsame Sicht der Dinge verständigen kann. Der Perspektivwechsel erlaubt neue, bisher verschlossene Einsichten.

Der Perspektivenbegriff ist eng an jenen der Subjektivität gekoppelt. Die Perspektive ist immer jene eines Subjektes und seiner Limitationen und Interessen. Daher heisst Perspektivenwechsel, dass man die eigene beschränkte Wahrnehmung durch jene eines anderen Subjekts ersetzt. Es gibt daneben jedoch auch die etwas paradox anmutende Idee, die Perspektive eines Subjektes durch eine „nichtsubjektive Perspektive“ zu ersetzen. Das ist das normative wissenschaftliche Ideal eines objektiven Blicks „von nirgendwo“ auf das Ganze als solches.

Vorgehen

Das Subjekt verändert seine Position und begibt sich in eine andere Position bzw. die Position eineR anderen. Das kann mit kleineren Veränderungen an den Stellschrauben des eigenen Standorts beginnen. Bei Konflikten empfiehlt sich die Übernahme der antagonistischen Gegenposition und deren Perspektive. Gegenpositionen sind häufig durch klassische Gegensätze gekennzeichnet:

  • nah – distanziert
  • oben – unten
  • innen – aussen
  • männlich – weiblich
  • arm – reich
  • jung – alt
  • Zentrum – Peripherie
  • etc.

Durch den Austausch der Perspektiven wird es unter Umständen möglich so etwas wie eine „intersubjektive“ Perspektive zu erlangen.

Will man eine „objektive“ Perspektive einnehmen, wird man noch einen Schritt weiter gehen müssen, indem man von den eigenen Subjektivität zu abstrahieren versucht, d.h. v.a. all jene Faktoren wegzulassen, die sich durch den Perspektivwechsel ändern.

Konkretes Beispiel

Um Fragen der Geschlechterdebatte voranzubringen, versuche ich mich als Frau in die Rolle eines Mannes zu versetzen.

Prominente TheoretikerInnen

  • Friedrich Nietzsche
  • Thomas Nagel
  • u.v.m.

Probleme

Es ist schwierig aus der eigenen Haut zu schlüpfen…

Verknüpft mit

  • Objektivieren

 

Übersicht über die Techniken

Vom Einfachen zum Komplexen

  1. Freies Assoziieren (Brainstorming)
  2. Mind Map
  3. Relevantes Auswählen
  4. Unterscheiden und Sortieren
  5. Relevantes Auswählen
  6. Definieren
  7. Grafisch Visualisieren
  8. Gestalt Finden
  9. Perspektive bzw. Standort Wechseln
  10. Objektivieren
  11. Zusammenfassen
  12. Paraphrasieren
  13. Beispiel Geben
  14. Metapher Bilden
  15. Narrativ Entwickeln
  16. Implizites explizit Machen
  17. Dogmen und Prämissen hinterfragen
  18. Ordnung Herstellen
  19. Logisches Schliessen und Beweisen
  20. Wissenschaftliches Erkennen
    1. Recherchieren
    2. Frage Stellen
    3. Hypothese Aufstellen
    4. Methode Auswählen
    5. Überprüfen (Verifizieren/Falisfizieren)
    6. Gedankenexperiment Anstellen
  21. Von Erfahrung zur Theorie und umgekehrt
  22. Top-down vs bottom-up Bewegen
  23. Hermeneutisches Verstehen

 

Weiterlesen

Hermeneutisches Verstehen

Kurzbeschreibung in einem Satz

Hermeneutisches Verstehen meint den Prozess der systematischen Interpretation („Auslegung“) eines bedeutungshaltigen Gegenstandes, meist eines Zeichens im weitesten Sinn.

Funktionsweise und Leistung

Das hermeneutische Verstehen ist ein Prozess, der sich am Modell des wissenschaftlichen Erkennens orientiert, diesen jedoch auf einen Gegenstand anwendet, der Zeichencharakter und somit eine Bedeutung hat, die zu interpretieren ist. Der Vorgang besteht darin, den wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses mehrfach durchzuführen, wobei jeweils abwechslungsweise eine Hypothese über den Sinn des Ganzen und dann eine Hypothese über den Sinn von Teilen des zu interpretierenden Gegenstandes vorgenommen wird (> hermeneutische Spirale). Durch die fortschreitende gegenseitige Validierung oder Falisifikation von Hypothesen gelangt man allmählich zu einem fundierten Verständnis des Gegenstandes.

Vorgehen

Zunächst ist der zu interpretierende Gegenstand festzulegen. Dabei handelt es sich in der Regel, jedoch nicht zwingend um einen zeichenhaften Gegenstand, wie z.B. ein Text oder ein Kunstwerk. In einem ersten Schritt stellt man aufgrund des vorhandenen Vorwissens eine Ausgangshypothese über den Sinn des ganzen Gegenstands auf. Davon ausgehend macht man sich an die Überprüfung der Ausgangshypothese, indem man Teilaspekte des Gegenstandes näher untersucht (d.h. z.B. einen Text zu lesen beginnt). Dabei wird man gezwungen sein, in weiteren Schritten Hypothesen über den Sinn dieser Teilaspekte (z.B. einen Satz) aufzustellen. Diese Hypothesen können durch weitere Hypothesen über noch feinere Teilaspekte (z.B. Wörter) überprüft werden, jedoch auch indem man sie wiederum mit der Hypothese über den Sinn des Ganzen konfrontiert. Trifft man auf Widersprüche, wird man eine der Hypothesen aufgeben und verändern müssen, um einen möglichst konsistente und gut mit Teilhypothesen belegte Theorie über den Gesamtsinn zu entwickeln.

Die Grundstruktur ist also eine top-down-Bewegung vom Ganzen zu den Teilen und wieder zurück bottom-up von den Teilen zum Ganzen; daher die Rede vom „hermeneutischen Zirkel“, der genau genommen eine Spirale ist, da der Sinngehalt in diesem Prozess ständig weiterentwickelt wird. Die Spiralbewegung pendelt nicht nur zwischen Ganzem und Teilen hin und her, sondern auch zwischen Theorie (Gesamtsinn) und Empirie (Teilsinn).

Die Technik geht von der holistischen Annahme aus, dass das (Sinn-)Ganze mehr als ist als die Summe seiner Teile.

Konkretes Beispiel

Ein klassisches Beispiel ist die Interpretation eines Gedichtes. Es gibt jedoch auch im Kommunikationsalltag häufig Situationen, die aufgrund ihrer Vieldeutigkeit oder Unverständlichkeit einer vertieften Interpretationsanstrengung bedürfen. Man kann den Prozess des hermeneutischen Verstehens jedoch auch auf das eigene Leben oder die Welt insgesamt anwenden (> „Sinn des Lebens“).

Prominente TheoretikerInnen

  • Wilhelm Dilthey
  • Georg Gadamer

Probleme

Aufgrund der Komplexität des Prozesses findet meistens nur ein Bruchteil explizit bewusst statt.

Verknüpft mit

  • wissenschaftliches Erkennen
  • Gestalt finden

 

Übersicht über die Techniken

Vom Einfachen zum Komplexen

  1. Freies Assoziieren (Brainstorming)
  2. Mind Map
  3. Relevantes Auswählen
  4. Unterscheiden und Sortieren
  5. Relevantes Auswählen
  6. Definieren
  7. Grafisch Visualisieren
  8. Gestalt Finden
  9. Perspektive bzw. Standort Wechseln
  10. Objektivieren
  11. Zusammenfassen
  12. Paraphrasieren
  13. Beispiel Geben
  14. Metapher Bilden
  15. Narrativ Entwickeln
  16. Implizites explizit Machen
  17. Dogmen und Prämissen hinterfragen
  18. Ordnung Herstellen
  19. Logisches Schliessen und Beweisen
  20. Wissenschaftliches Erkennen
    1. Recherchieren
    2. Frage Stellen
    3. Hypothese Aufstellen
    4. Methode Auswählen
    5. Überprüfen (Verifizieren/Falisfizieren)
    6. Gedankenexperiment Anstellen
  21. Von Erfahrung zur Theorie und umgekehrt
  22. Top-down vs bottom-up Bewegen
  23. Hermeneutisches Verstehen

 

Weiterlesen

Grafisch Visualisieren

Kurzbeschreibung

Die Visualisierung eines komplexen Sachverhalts macht diesen als Gesamtzusammenhang übersichtlich und auf einen Blick erfassbar.

Funktionsweise und Leistung

Indem man einen komplexen Sachverhalt grafisch darstellt, kann man die Zusammenhänge zwischen einzelnen Aspekten in eine geordnete Struktur bringen und die Übersicht des Ganzen sichtbar und auf einen Blick erfassbar machen. Häufig dient eine Visualisierung dem Zweck Beziehungen und Verhältnisse zwischen Elementen und Teilmengen aufzuzeigen. Visualisierungen werden daher häufig dazu eingesetzt einen schriftlich ausgeführten theoretischen Zusammenhang kompakt und verdichtet zu illustrieren.

Vorgehen

Zur Vorbereitung empfiehlt es sich zuvor, elementare Kreativitäts- und Ordnungstechniken anzuwenden, damit man schon relevantes Material zusammengetragen und ein wenig gegliedert hat.

Dann stellt sich die Frage, welche Beziehungen man zwischen den zusammen getragenen Einzelaspekten bzw. Elementen veranschaulichen will. Hier kommen sehr unterschiedliche Verhältnisse in Frage:

  • Machtverhältnisse
  • Ursache-Wirkungsverhältnisse
  • Grössenverhältnisse (Quantitäten)
  • logische Beziehungen (wenn/dann etc.)
  • Über-/Unterbegriffe (Klasse/Element)
  • chronologische Beziehungen
  • etc.

Dann kodiert man die Beziehungen wie auch die Elementtypen mit eindeutigen grafischen Markierungen. Dadurch lassen sich auch komplexe und semantisch dichte Darstellungen erreichen.

Hat man die grafische Kodierung festgelegt, versucht man die Elemente und die zwischen ihnen bestehenden Beziehungen (in der Regel auf einem Blatt Papier) darzustellen. Das kann mehrere Versuche erfordern (da jeder Abbildungsversuch eine Hypothese darstellt, die sich als unzulänglich erweisen kann).

Hat man die Elemente und die Beziehungen dargestellt, können sich grössere Strukturen abzeichnen (z.B. Beziehungsbündel, Elementhäufungen, Teilmengen), die sich allenfalls auch grafisch kodieren und einzeichnen lassen.

In einem letzten Schritt kann man auch dazu übergehen, die Visualisierung mit einer Metapher zu unterstützen, z.B. in dem man den Gesamtzusammenhang als Haus oder als Kuchen darstellt.

Konkretes Beispiel

  • Mind Map
  • Organigramm
  • Diagramme

Prominente TheoretikerInnen

Probleme

Beachte: Eine grafische Visualisierung ist keine Metapher, sondern eine Übertragung sachlicher Zusammenhänge aus einem Medium (z.B. der Sprache oder der Mathematik) in ein anderes (das Grafische).

Verknüpft mit

  • Holismus
  • Ordnung herstellen
  • Mind Map

 

Übersicht über die Techniken

Vom Einfachen zum Komplexen

  1. Freies Assoziieren (Brainstorming)
  2. Mind Map
  3. Relevantes Auswählen
  4. Unterscheiden und Sortieren
  5. Relevantes Auswählen
  6. Definieren
  7. Grafisch Visualisieren
  8. Gestalt Finden
  9. Perspektive bzw. Standort Wechseln
  10. Objektivieren
  11. Zusammenfassen
  12. Paraphrasieren
  13. Beispiel Geben
  14. Metapher Bilden
  15. Narrativ Entwickeln
  16. Implizites explizit Machen
  17. Dogmen und Prämissen hinterfragen
  18. Ordnung Herstellen
  19. Logisches Schliessen und Beweisen
  20. Wissenschaftliches Erkennen
    1. Recherchieren
    2. Frage Stellen
    3. Hypothese Aufstellen
    4. Methode Auswählen
    5. Überprüfen (Verifizieren/Falisfizieren)
    6. Gedankenexperiment Anstellen
  21. Von Erfahrung zur Theorie und umgekehrt
  22. Top-down vs bottom-up Bewegen
  23. Hermeneutisches Verstehen

 

Weiterlesen