ANGEBOT
ELENCHOS
Im Zentrum meiner Praxis stehen diskursive Formen des Philosophierens. Das heisst, dass ich Philosophie nicht als einen Monolog von einzelnen, hierzu berufenen Denkern betrachte, sondern als einen dialogischen Austausch von mehreren Personen mit unterschiedlichen Denk- und Erfahrungshintergründen, die sich zum Nachdenken über eine sie beschäftigende „Sache“ zusammenfinden. Sowohl philosophische Beratungen als auch Workshops und Seminare eröffnen diesen Freiraum des gemeinsamen Nachdenkens im Gespräch. Darüber hinaus geht es mir mit meiner Arbeit zudem darum, neue Formen des Philosophierens zu entwickeln, die sich nicht auf die Etiketten "Vortrag", "Beratung" oder "Seminar" reduzieren lassen. Dabei sollen vor allem auch Erkenntnismodalitäten zum Tragen kommen, die über das rein Diskursive des Gesprächs hinaus gehen, indem sie philosophische Probleme konkret erfahrbar machen.


Philosophieren als Selbstzweck (Theoria)

Könnten wir Plato danach befragen, wozu das Philosophieren gut sei und weshalb er Philosoph wurde, so würde er uns wohl antworten, dass das Philosophieren zu nichts gut sein müsse, da es als Erkenntnis des Wahren seinen Zweck in sich selbst fände. Dieses Erkennen um des Erkennens Willen wurde ursprünglich mit dem Begriff Theoria bezeichnet und galt - zumindest unter Philosophen und Philosophinnen - als die erstrebenswerteste aller irdischen Beschäftigungen, da sie die Menschen in die Nähe des Göttlichen brachte oder gar daran teilhaben liess. Heute hat das Philosophieren und die Philosophie einiges von diesem numinosen Glanz verloren. Unter dem Druck der naturwissenschaftlichen Erfolge bemüht sie sich selbst als methodische Wissenschaft zu positionieren und praktische Verwendung zu finden. Theoretische Erkenntnis wurde auf ein Mittel zum Zweck herab gestuft. Das Angebot philosophischer Praxen reiht sich ein in diesen Trend, der als solcher jedoch keine völlig neue Erscheinung ist, sondern schon seit den griechischen Anfängen zur Philosophie gehörte. Für dieses philosophische Wissen um das praktische und konkrete Tun prägte Aristoteles den Begriff der Phronesis.


Ethisch motiviertes Philosophieren zu einem bestimmten Thema (Phronesis)

Die Motive, die jemanden in eine philosophische Beratung führen, können sehr unterschiedlich sein. In der Regel werden sie mit einem Bedürfnis zu tun haben, einem bedrängenden Sachverhalt auf den Grund zu gehen oder ein (intellektuelles) Problem zu lösen. Häufig geht dieses Bedürfnis mit emotional aufwühlenden Lebenssituationen einher. Diese mögen durch Ereignisse ausgelöst worden sein, die die bestehenden Verhältnisse in ihrem Fortbestand bedrohen, wozu auch existenzielle Erschütterungen gehören, die beispielsweise durch Krankheit oder Tod hervorgerufen wurden. Die Erschütterungen können aber auch unterschwelliger Natur sein, wie z.B. die fortlaufende Enttäuschung von Hoffnungen und Wünschen oder die Erfahrung wiederholten Unrechts. Genauso gut kann auch schon allein ein grundsätzliches Unbehagen mit der gegenwärtigen Lebenslage ausreichen, um Fragen nach den letzten Dingen zu wecken. Was derlei Erfahrungen gemeinsam ist, ist der Umstand, dass sie bisher bewährte Auffassungen von der Welt grundsätzlich in Frage stellen und damit Sinn- und Orientierungskrisen auslösen, die uns die unbeschwerte Fortsetzung des täglichen Lebens verunmöglichen. Das Ziel des praktischen Philosophierens liegt daher darin, einen Reflektionsprozess in Gang zu setzen, der zu einem expliziteren und klareren Bewusstsein führt und letztlich in ein aufgeklärtes Selbst- und Sachverständnis mündet. Dieses ist die Voraussetzung für anstehendes Entscheiden und Handeln.

Im Hinblick auf die Veranlassung eine philosophische Praxis aufzusuchen scheinen die meisten Motive jenen recht ähnlich zu sein, die jemanden auch zum Beginn einer psychologischen Therapie bewegen mögen. Diese Nähe besteht nicht zu unrecht, da seelisches Wohlbefinden vom Anbeginn der griechischen Philosophie an zu den Leitthemen des praktischen Philosophierens gehörte. Praxisbezogenes Philosophieren beschränkt sich aber nicht notwendig auf die Bereiche des privaten Lebens. Ethischen Fragen kann man auch in Situationen begegnen, die durch die gesellschaftliche Stellung bestimmt sind, die man berufshalber, beispielsweise als Arzt oder Managerin, einnimmt.

Philosophische vs. psychologische Beratung

Ungeachtet der offenkundigen Analogien sollte das philosophische Gespräch nicht mit einer Psychotherapie verwechselt werden. Philosophieren ist zunächst vor allem eine intellektuelle und konzeptionelle Beschäftigung, die eine Situationsverbesserung durch Erkenntnis respektive durch den methodischen Gebrauch der Vernunft im weitesten Sinne anstrebt. Das reflexive Nachdenken bringt eine gewisse Abstandnahme von der jeweils unmittelbaren Betroffenheit mit sich, hin zu einem allgemeineren Standpunkt und einem erweiterten Horizont, die es einem erst ermöglichen, ein aufgeklärtes Verhältnis zur eigenen Situation zu finden. Philosophische Beratung ist daher dann angezeigt, wenn ich es mit einem Problem zu tun habe, das zwar unter Umständen psychische Schmerzen mit sich bringen kann, dessen Ursachen aber eher in meinen Lebensumständen oder in persönlichen Überzeugungen zu suchen sind und daher einer ethischen bzw. existenziellen Klärung bedürfen.
(Daraus folgt nicht, dass es psychische Krankheit nicht gäbe und seelische Leiden nicht psychologischer oder gar medizinischer Behandlung bedürften.)

Psychotherapie und Philosophische Beratung sind nicht zwei sich gegenseitig ausschliessende Alternativen auf dem Weg zum Glück. Sie lassen sich eher als komplementäre Verfahren betrachten, insofern als Psychotherapien den Akzent auf die Heilung und Minderung von akutem seelischem Leid setzen, während Philosophische Beratungen gewissermassen zu einem "späteren" Zeitpunkt einsetzen, wo es darum geht, Menschen bei der reflektierten (Neu-)Gestaltung und Orientierung ihres Lebens beratend zu unterstützen.


Gemeinsam (Nach-)Denken lernen

Aufgabe der philosophischen Gespräche ist es, Klientinnen bei der Entwicklung dieses verbesserten Verständnisses methodisch und inhaltlich zu anzuleiten und begleiten. Dabei kann es sich um ethische Fragestellungen handeln oder auch um grundsätzliche Auseinandersetzungen zu einem bestimmten Lebensbereich. Die philosophische Praxis beansprucht zudem, Klientinnen das technische Rüstzeug zu vermitteln, das es den Beteiligten ermöglicht, ein Thema selbständig zu „bedenken“. Was es heisst, von seiner Vernunft richtigen Gebrauch zu machen, ist eine der zentralen Kompetenzen, die die Philosophie für sich beanspruchen kann.


Einzelgespräche, (konzeptionelle) Beratung

Thematisch gibt es hier keinerlei Vorgaben, den Klientinnen steht es frei, ihre eigenen Themen oder Fragen mitzubringen. In der Regel ist es jedoch so, dass die individuellen Beratungen ihren Ausgangs- und Angelpunkt von konkreten Konflikten und Fragestellungen aus dem Leben der Besucherinnen nehmen.
Neben Individualberatungen mit persönlichem Bezug ist die Arbeit an Projekten und Konzepten ein häufiges Anliegen. Diese lassen sich unabhängig von ihrer sachlicher Ausrichtung auf rationale Konsistenz und Kohärenz, Stimmigkeit und Stringenz untersuchen. Häfig zeitigt eine gezielte Reflexion mit jemand aussen Stehendem zudem gewisse Schwachstellen und "blinde Flecken", die den Ausgangspunkt für die kreative Weiterentwicklung bilden können.

Bitte beachten Sie: Philosophie kann "bedrohlich" sein. Wer sich aufs Nachdenken einlässt, muss bereit sein, zumindest vorübergehend von liebgewordenen Überzeugungen und vereinfachenden Gewissheiten Abstand zu nehmen und sich in gedanklich noch unerschlossene Fahrwasser zu begeben. Diese Bereitschaft, sich auf eine geistige Verunsicherung einzulassen und die damit verbundenen intellektuellen Spannungen bestenfalls mit Gelassenheit zu ertragen, ist zugleich eine notwendige Bedingung des Philosophierens als auch eines seiner praktischen Ziele.

Workshops, Seminare für Gruppen

Hier gilt dasselbe wie für die Einzelberatungen. Die besondere Qualität dieses Modus des Philosophierens besteht in der Praxis des Debattierens und der argumenativen Konsensfindung. Philosophieren als Annäherung an einen ideal gedachten herrschaftsfreien Diskurs.
In den Bereich der Arbeit mit Gruppen gehört auch die Mediation, die nicht im engeren Sinn philosophisch ist. Wo Philosophieren aber als ein Sich-Aufeinander-Einlassen im Gespräch verstanden wird, das sich um die Aufklärung von unreflektierten Voraussetzungen und die Findung eines gemeinsam geteilten Konsenses bemüht, ist es nicht mehr weit zur Vermittlung von Konflikten.

Philosophieren mit Kindern / Jugendlichen

Gerade in der Adoleszenz setzen sich viele Menschen sehr ernsthaft mit philosophischen Fragen auseinander, sind dabei jedoch häufig auf sich selbst bzw. auf ihr persönliches Umfeld gestellt, das ihnen diesbezüglich nur im Glücksfall weiterhelfen kann. Da die Fähigkeit eigenständigen Nachdenkens auch im täglichen Unterricht meist nur beiläufig vermittelt werden kann und da die die meisten SchülerInnen erfahrungsgemäss ein reges Interesse an philosophischen Auseinandersetzungen an den Tag legen, biete ich Schulen und Jugendorganisationen an, philosophische Veranstaltungen als Klassenbesuche durchzuführen.
Bei diesem Angebot lege ich auf zwei Aspekte besonderen Wert: Zum einen geht es mir um das Philosophieren als einer praktischen Kompetenz der intellektuellen Problembewältigung, zum anderen um die Thematisierung grundsätzlicher Fragestellungen, die trotz ihrer Wichtigkeit im Alltag häufig zu kurz kommen. Es geht mir also weniger um die didaktische Vermittlung philosophischer Lehrstoffe als um die Praxis des Philosophierens. Ich bin der Auffassung, dass es sich dabei um eine Fähigkeit (respektive "Kulturtechnik") handelt, die für jeden Menschen bei der Bewältigung von ethischen und existenziellen Herausforderungen, bei der Sinnfindung und Welt-Orientierung, wie auch bei der Persönlichkeitsentwicklung hilfreich ist.

Weitere Angebote (auf Anfrage)

Das Betätigungsfeld der angewandten Philosophie lässt sich kaum abgrenzen, geschweige denn zum Vorneherein absehen. In den engeren Bereich dieser Aktivitäten gehören natürlich Vorträge sowie Textarbeiten. Im weiteren und grundsätzlich aber jede Form von konzeptioneller und theoretischer Arbeit. Da ich mit meiner Praxis zudem das persönliche Ziel verfolge, den emanzipatorischen Anspruch der Philosophie mit den Alltagsbedürfnissen von NichtphilosophInnen zusammen zu führen, bin ich sehr daran interessiert, neue Formen des gemeinsamen Nachdenkens zu entwickeln und die Grenzen des Philosophierens auszuloten. (Siehe auch: ANLÄSSE)


Tarife

Die Tarife werden indviduell vereinbart. Sie können je nach Vorbereitungsaufwand und finanziellem Hintergrund der Klientinnen variieren. Privatpersonen und Nonprofit-Organisationen erhalten bessere Konditionen als Firmen. Probesitzungen sind kostenlos.